Aufgewachsen auf dem Land. Historische Aufnahmen und Geschichten über Damals im Wendland. Der Landkreis Lüchow Dannenberg als Beispiel für das Leben auf dem Lande im 20. Jahrhundert.



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1900 bis 1922 in Wibbese

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Wibbese 2005

 

 
Kofahl, Wibbese Heuer, Wibbese
Johann Christoph Kofahl und seine Frau Maria Katharina Dorothea, geborene Heuer in Wibbese hatten 12 Kinder, drei  starben bereits als Kleinkind , zwei  davon innerhalb einer Woche an Diphtherie. Johann Christoph verunglückte 1911  mit 53 Jahren tödlich. Er hatte fürs Dorf die Milch zur Molkerei zu fahren. Dabei waren die Pferde durchgegangen. Er fiel vom Pferdefuhrwerk und war sofort tot.
Der älteste Sohn Heinrich Kofahl, geboren 1883, war Hoferbe und hatte den Hof schon übernommen. Im Weltkrieg war er an der Westfront. Seine Mutter und seine Schwestern Lina und Emma mussten den Hof alleine bewirtschaften. Heinrich wurde verwundet und schrieb aus dem Lazarett in Bonn-Beul:
Den Heuerschen Hof führte nun ein Bruder von  Maria Katharina. Er war auch Schulvorsteher. Nach 40 Jahren musste 1922 die Schule mal wieder renoviert werden und das kostete 15.000 Mark, was im Juli 1922 einem Wert von 150 Goldmark entsprach. Es war die Zeit der Inflation. Heuer hatte die Schulkasse, aber die war leer. Im September verlangte der Maler dringend sein Geld und Heuer legte die Summe aus, die jetzt noch 50 Goldmark entsprach. Als ihm im Januar 1923 die 15.000 Papiermark zurückgezahlt wurden, bekam er dafür gerade noch 5 Goldmark. Im Grunde haben also der Maler und der Bauer Heuer die Instandsetzung der Schule bezahlt.

  „An Familie Kofahl in Wibbese, Post Groß Wittfeitzen Krs. Lüchow, 20. Mai 1915
Liebe Mutter, Lina und Emma
Ich habe alle Tage auf Brief gewartet. Ich denke nun, daß ihr mich Pfingsten überraschen wollt mit Besuchen. Das laßt man sein, da ich mit allen Operationen durch bin, denke ich, werde ich nach dort kommen. Ich werde den Doktor fragen, ob er es so machen kann. Sonst werde ich Euch in den nächsten Tagen schreiben, wie ihr es machen sollt, denn ich bin bald so weit. Und dann ist es ebenso gut, wenn ich da bin. Herzliche Grüße und frohe Pfingsten.  Heinrich
Reservelazarett Bonn-Beul “

Fotounterschrift: Beim Kies fahren in Wibbese.
Der Kofahlsche Hof umfasste 130 Morgen  Acker, Wiesen und Wald und  eine Tongrube für die Ziegelei.

Es war weiterhin Erbschaftsgesetz, dass Höfe nicht geteilt wurden. Auch  Heinrich Kofahl erbte den Hof als Ganzes und alle Geschwister mussten vom Hof gehen. Neben der üblichen Aussteuer erhielten sie nichts, denn dann wäre der Hof kaputt gegangen. Alle mussten zusehen, dass sie auf eigene Füße kamen. Sie schafften es alle:
Wilhelmine wurde nach Gutitz auf der anderen Seite der Elbe verheiratet. Wilhelm wurde Zimmermann. Bernhard heiratete eine Witwe mit Sohn in Mehlfien, die einen Hof besaß. Hermann wurde Schuster. Anna heiratete einen Witwer mit zwei Töchtern in Gureitzen. Emma arbeitete in einem Café in Winsen. Martha hatte eine Stellung beim Bauern.

Familie Kofahl vor ihrem Hof im Jahr 1905.

Das große Anwesen mit vielen Nebengebäuden existiert noch in unverändertem Zustand.
Fotos von 2005
Unsere Hauptperson Lina Kofahl arbeitet gegen Ende des Weltkrieges beim Bauern Gause in Langenhorst, dessen Sohn im Krieg ist. Auf den Höfen fehlen überall die Männer. Aber in Langenhorst trifft Lina Ernst Grebien aus Tarmitz. Deshalb geht es hier weiter zur 

Tarmitzer Spur.

 

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