Aufgewachsen auf dem Land. Historische Aufnahmen und Geschichten über Damals im Wendland. Der Landkreis Lüchow Dannenberg als Beispiel für das Leben auf dem Lande im 20. Jahrhundert.



 

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Von Lüchow liegen sehr viele alte Fotos vor. Wir konzentrieren uns insbesondere auf zwei "Spuren". Die Geschichte der Familie Rautenkranz hat Axel Meyer aus Kanada gesendet (Anmerkung). Aus Unterlagen, die sich im Stadtarchiv Lüchow befinden, ergibt sich die Geschichte der Familie Witte. Mit weiteren Überlieferungen aus den Lüchower Familien Bendfeldt, Bohlmann und Kofahl soll ein wenig das Kleinstadtleben vor Augen treten, ohne Anspruch auf Vollständigkeit.
 
Lüchower Feuerwehr um 1900.


Namen und Kommentar zu dem Foto wurden 1961 notiert.
 

1902 feiert die Lüchower Schützengilde ihr 150 jähriges Jubiläum. Hier passiert der Umzug den Marktplatz. Man schützt sich mit Sonnenschirmen und breitkrempigen Hüten vor Bräunung. Wird der Schützenkönig in einer Rikscha gefahren?     Foto vergrößern

 
Am Schützenhaus zeigt sich die Belegschaft bereit für den Empfang. Das Foto ist auf 1901 datiert. Lüchower Schützenhaus.
 
Schützenfest- Dekoration am Marktplatz.
Foto undatiert, aber vor 1903, denn der Laden im Gebäude links mit Aufschrift "Helmholz" wurde 1903 zum kleinen "Kaufhaus W. Witte".
Rechts auf dem Foto die  "Brüngersche Gastwirtschaft". Familie Brünger hat außerdem eine große Landwirtschaft in der Rosenstraße, das ist gleich hinter dieser Häuserzeile im Zentrum der Stadt.
 
Lüchow hat um diese Zeit Mühe, tatsächlich eine Stadt zu sein. Die große Rinderherde von Bauer Brünger wird oft durch die Stadt zu den südlichen Jeetzelwiesen getrieben.
Das Foto ist zwar aus einer Lüchower Sammlung, scheint mir aber doch nicht in Lüchow aufgenommen zu sein.

Es gibt zahlreiche kleinere Landwirte, wie den nächsten Bildern zu entnehmen ist.

 

Ausschnittvergrößerungen aus einer handkolorierten Postkarte von 1908
 

Die Mauerstraße führt in einem Bogen zum Glockenturm.
 

Das spätere Witte-Haus (1890).
Kaufmann Wilhelm Witte hat um 1900 einen kleinen Laden in der Kirchstraße. Er heiratet die Gastwirtstochter Marie Schulz aus Gartow und übernimmt 1903 am Marktplatz den Laden von Helmholtz an der Ecke Lange Straße / Badestraße. Aufgrund einiger Alben und Aufzeichnungen der nächsten Generation können wir die Geschichte dieser Lüchower Kaufmannsfamilie bis in die sechziger Jahre verfolgen. Sechs Kinder wachsen in diesem Haus am Markt auf.
Marie Schulz mit ihrer jüngeren Schwester in  Gartow etwa 1895.
 
Als einer der ersten hat Kaufmann Witte ein motorisiertes Fahrzeug. (Leider ohne Datum.)
 
Ebenfalls in der Langen Straße befindet sich das Café Rautenkranz.
 
Die Ahnentafel der Familie (von) Rautenkranz reicht zurück bis ins 10. Jahrhundert.
Ihr Stammsitz ist das Gut in Darchau an der Elbe, gegenüber von Neu Darchau. (Foto von etwa 1910.)

Wir beginnen um die Jahrhundertwende, als Sophie Rautenkranz mit ihrem Mann Hugo das Cafe in Lüchow führt.
Darchau mit Familie Rautenkranz etwa 1910. Über das Gebäude gibt es keine sichere Überlieferung. Foto lässt sich mit Klick vergrößern.
 

Auf diesem Foto von 1882  präsentiert Sophie Rautenkranz ihre Tochter Frieda.
Ecke Burgstraße und Lange Straße. (1902)
Um die Jahrhundertwende zeigen viele Häuser in Lüchow kein Fachwerk, sondern sind mit Schindeln wettergeschützt.
 
1907 erhält Hugo Rautenkranz vom Magistrat der Stadt Lüchow die Konzession zum "Ausschank von Bier in Flaschen".


 Vollansicht der Urkunde

Die Urkunde befindet sich im Stadtarchiv in Lüchow.
 
Das Cafe Rautenkranz ist von der feineren Art und wird von den Honoratioren der Stadt bevorzugt. (Postkarte mit Stempel von 1916).


 

vergrößern

 
Laut Aufschrift ist hier neben dem Glockenturm ein Postamt.

 

 

Jedenfalls funktioniert die Post wie die nächsten Bilder zeigen, mit sehr einfachen Adressen:


Frieda Rautenkranz, Lüchow

 



Als Ortsangabe reicht heute "Hier" nicht mehr aus.

 
Die verwandtschaftliche Beziehung zwischen Rautenkranz und Wolter ist überliefert, aber dem Berichterstatter nicht genauer bekannt. Jedenfalls gibt es folgende Fotos bei den Rautenkranznachfahren.
 

Die große Schnapsbrennerei in der Mauerstraße wird von Familie Ernst Wolter betrieben, der hier seine Belegschaft auf eine Fotoplatte bringen lässt. Auf dem rechten Foto kann ich bei starker Vergrößerung mit Mühe die Schrift auf dem Haus erraten: "Ernst Wolter Destillation und Weinhandlung".
Außerdem gibt es  eine Brauerei im späteren Kreishaus und eine weitere in der Nähe vom Güterbahnhof.
Die zahlreichen Hotels und Gaststätten in Lüchow, die wir später noch sehen werden, haben jedenfalls alkoholischen Nachschub vor Ort.
 
Alltags herrscht reger Verkehr in der Stadt. Zu den großen Markttagen kommen mehr als 300 Bauernwagen aus dem Umland. Es ist unter Strafe verboten, die Pferde während des Marktes eingespannt zu lassen. Eng stehen hier in der Junkerstraße die Wagen geparkt. Die Pferde stehen an der Drawehner Brücke, wo auch Rinder zum Verkauf angeboten werden.  Zwischen Burgplatz und Marktplatz bieten die Bauern 1500 Schweine zum Verkauf an.  (Die Zahl wird für einen Markttag im Jahr 1890 genannt.)
 
Die Bäuerinnen bieten Eier und Käse an und treffen sich zum Informationsaustausch. Dann machen sie eigene Einkäufe und bringen den Lüchower Kaufleuten gute Umsätze. Importwaren kommen vom Bahnhof, bis vor kurzem auch noch vom Hafen. Das Leben pulsiert. Moritatensänger ziehen durch die vollen Gaststätten.  Fahrende Händler, Akrobaten, Gaukler beleben das Marktgeschehen. 
Es riecht nach Leben. Neben den Gerüchen von Schweinen, Rindern, Pferden ziehen Schwaden von Kohl, Gewürzen und Braunbier durch die Stadt.
 
Das Lüchower Braunbier wird aus Humpen mit Scharnierdeckeln getrunken. Die Deckel sind sinnvoll, da so mancher Staub und manches Getier von den Decken der Gasthäuser fällt.
Foto: Ausschnitt aus
  Kegelclub Merkur Lüchow 1908.   Foto (ohne Datum)  "Kegelclub Lüchow von 1906".
 
Ein Foto des Bereichs um Insel und Mühle (viel später "Behrens Mühle") aus der Zeit vor 1900. Das große Lückingsche Lager- und Handelshaus ist noch relativ neu. Rechts sieht man gerade noch, dass die Mühle ursprünglich ein kleines Fachwerkhaus war und näher an der Straße stand, als die kurze Zeit später neu gebaute Mühle Koch. Ein Rätsel gibt mir der einzelne Strommast mit Laterne auf. Es heißt, dass Müller und Brennereibesitzer Ernst Schultz 1895 den ersten Strom in Lüchow mit einem Wasserkraftgenerator erzeugt hat. Der könnte in dem Anbau der Mühle stecken. Der Verlauf von Stromdrähten ist auch bei starker Vergrößerung leider nicht zu erkennen. Bei den Stangen auf den Dächern handelt es sich offenbar um fantasievolle Blitzableiter, mit denen im 19. Jahrhundert viel experimentiert wurde.
 
Ich kann es nicht lassen und muss diesen Ausschnitt noch vergrößern. Da gibt es offenbar einen Abstieg zur Jeetzel runter, wo ja um diese Zeit noch manche Schiffer ihre Kähne anlegten, um oben bei Fröhlings Marie das Lüchower Braunbier zu genießen. Und solche Schiffer scheinen hier doch gerade von Fröhlings Marie zu kommen.
 

Jetzt ist aber Schluss mit Spekulationen.
Auf einer weiteren Seite über Lüchow beobachten wir über den langen Zeitraum von 1850 bis 1950

drei Lüchower Handwerkerfamilien.
 

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