Ein persönliches Statement
zum ThemaDas historische Problem der Region war die niedrige
Lage großer Teile der Landschaft im Elbeurstromtal. Diese weiträumigen
Teile gehörten sozusagen der Elbe, wenn sie zu viel Wasser hatte. Zum
Anderen hatte die Niederung oft selbst zu viel Wasser bei sehr
schwachem Abflussgefälle. Sobald beides zusammenkam, standen viele
Quadratkilometer unter Wasser. Dennoch wurde das Gebiet im Mittelalter
besiedelt. Die Flussläufe waren willkommene Verkehrswege. Vielerorts
war auch Fischerei ein wichtiger Erwerbszweig. Aber mit den
Hochwassern konnte man sich nicht wirklich arrangieren. Jahrhunderte
wurde praktisch erfolglos gegen die immer wiederkehrenden Wassermassen
gekämpft.
In der Mitte des hier dargestellten Jahrhunderts glaubten schon viele
nicht mehr an die Machbarkeit einer wirklichen Regulierung. Nach 1947
setzten sich dennoch einige Personen mit großem Nachdruck für eine
umfassende Lösung ein. Erstaunlich ist, dass dies in den noch wirren
vierziger Jahren überhaupt mit diesem Elan und einer positiven
Zukunftsvorstellung möglich war. Auch dieser Wille zum Gestalten der
Zukunft nach dem totalen Zusammenbruch kennzeichnet wohl jene Zeit.
Es gab einige Jahre Diskussion verschiedener Alternativen. Es wurde
nicht auf "Hau-Ruck" rangeklotzt, auch wenn dies heute so aussieht.
Allerdings kommt in der Geschichtsschreibung bis in die sechziger
Jahre eine Abwägung des Erhalts wertvoller Landschaftselemente
nicht vor. Wo ein Moor im Wege liegt, geht es nur um die erhöhten
Kosten der Auskofferung.
Je mehr ich mich in die Problematik vertiefe, gerate ich in die
Tendenz, die (korrekt ausgedrückt) komplette Zerstörung der Landschaft
zu entschuldigen. Sagen wir lieber: "zu verstehen". Und Verstehen
bedeutet nicht gleich gutheißen.
Gäbe es heute Naturschutz, wenn damals nicht so viel verändert worden
wäre? Es ging um Verbesserung der Lebensqualität. Die wird heute von
zugezogenen Großstädtern oder auch zurückgekehrten Wendländern
vielfach anders definiert.
Jede Zeit setzt ihre Prioritäten. Jetzige Generationen können mit mehr
Wissen und anderem Umweltbewusstsein die Landschaft behandeln. Das
gilt auch bezüglich heutiger Hochwasserprobleme, die genau genommen
gegenüber früheren Zeiten vernachlässigbar gering sind.
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